autor: casigordo 17.10.03
2. Woche
Wie schnell sich die Situation doch aendern kann. Eben dachte ich noch, ich waehre im Paradies gelandet, kurz danach war ich weit entfernt von allem, was ich brauche, liebe und schaetze. Ich lag in meinem Bett, schwer gezeichnet von einer Diarrhoe, die mich seit 3 Tagen quaelte und fragte mich ernsthaft, was ich hier eigentlich mache. Laengst offenbarten sich mir die Schattenseiten dieser ach so tollen Welt, aber der Reihe nach.
Am Wochenende, meinem 2. in Antigua, beschlossen wir (ich und 3 weitere Studenten) nach Monterico zu fahren, um da das Wochenende zu verleben. Monterico ist ein kleiner Ort direkt am Pazifik, wo man sich in guten Hotels billig die Sonne auf den Pelz brennen lassen kann. Einer meiner Kollegen schlug vor, ein Auto zu mieten und die rund 100 km auf eigene Faus zu reisen. In meiner Naivitaet sagte ich zu, dachte ich doch, er kenne den Weg (das hoerte sich fuer mich jedenfalls so an). Also, gesagt getan, 4 Leute 1 Auto, Freitag Nachmittag, auf geht's.
Die Hinfahrt
gestaltete sich relativ stressfrei, wir benoetigten 2,5 Std. fuer eine Strecke,
die Ortskundige in 2 schaffen. Alles bestens, wir waren am fruehen Abend
in Monterico und checkten im Hotel delfin ein. Es war wirklich ein
gelungenes Wochenende, das Bier schmeckte, das Wetter war super (es war
sauheiss) und ich lernte eine Menge netter Menschen kennen. Abgesehen von
dem Megasonnenbrand, den ich mir einfing, alles bestens.
Der Horror begann dann am Sonntag 14:00 Uhr, als wir die Rueckreise antraten.
Nach einer halben Std. Fahrtzeit kamen wir irgendwie vom Weg ab und keiner
wusste so recht, wo nun lang. Also fragen, fragen immer gut. Den ersten
Passanten, der uns begegnete, fragten wir nach dem Weg nach Antigua.-------Antigua?
Antigua Guatemala?----------Jetzt wir: ???? Ne, Antigua in Argentinien,
Trottel. Der Mensch konnte uns also nicht helfen. Dann stach ein Schild
ins Auge, Ri Escuintla. Escuintla ist eine etwas groessere Stadt, die etwa
auf halben Weg nach Antigua liegt. Wir folgten Ihr also, jedoch nach 3 km
hoerte die Strasse einfach auf und es begann eine Sandpiste in desolatem
Zustand. Wir folgten weiter, mit Tempo 30 ueber die Buckelpiste, die niemals
zu enden schien. Das ging ca. ne Std. so, nachdem wir immermal nachfragten,
ob der Weg den wirklich der richtige nach Escuintla sei (da es keine Abzweigung
gab, musste dem wohl
auch so sein, aber man weiss ja nie).
Endlich, als die Piste wieder einer asphaltierten Strasse wich, erreichten
wir nach einer weiteren halben Std. Escuintla. Blieb nur die Frage, wo nun
lang. Antigua jedenfalls war nicht ausgeschildert. Wiedermal blieb nur Nachfragen,
diesmal einen Bullen, der die Strasse nach El Salvador bewachte. Seinen
Worten nach zu urteilen mussten wir den Weg Richtung Guatemala City einschlagen.
Na gut, zwar nicht so gerne, aber na gut. Allmaehlig wurde die Region wieder
huegeliger und die Luft kuehler, ein gutes Zeichen. Auf halben Weg Richtung
Hauptstadt wurden wir dann vonn einer Bullenkontrolle gestoppt. Das darf
doch wohl nicht sein, gibt es die denn ueberall? Da unsere Fahrerin keinen
internationalen Fuehrerschein dabei hatte und lediglich eine Kopie ihres
Reisepasses, machten sich die Bullen einen riesen Spass daraus, ein bisschen
Macht zu demonstrieren. 20 Minuten hielten sie uns auf und faselten was
von ungueltigen Dokumenten und irgendwelchen Strafen, bevor Sie uns endlich
ohne weitere Konsequenzen ziehen liessen. Zu diesem Zeitpunkt war meine
Stimmung bereits von leicht genervt in ziemlich gefrustet umgeschlagen,
doch es sollte noch schlimmer kommen.
Weitere 30 km spaeter waren wir dann in der Hauptstadt und wiedermal waren
das, was ich erwartete, und das, was war, zwei komplett verschiedene Welten.
In meiner Utopie malte ich mir aus, einfach der beschilderung Richtung Antigua
zu folgen, doch weit gefehlt. In meinem ganzen Leben habe ich noch nie ein
stinkenderes, ekelhafteres, asozialeres und verzwickteres Moloch gesehen
wie Guatemala City. Es dauerte keine 5 Min. bis wir das erstemal so ueberhaupt
nicht wussten, wie es nun weitergeht. Das alte bewaehrte Rezept war also
wieder mal Fragen. Hat ja bis jetzt auch schon nicht richtig funktioniert,
so wie diesmal auch. Wir wurden hin und her geschickt, nach links und nach
rechts und kamen dem Ziel nicht einen Meter naeher. Das Frage-Antwort-Spiel
funktioniert hier in etwa so: Ist das der richtige Weg nach Antigua?-- Ja,
da lang.----Sicher, oder muessen wir wenden?----Ja, wenden,dann geradeaus.----Und
irgendwann nach links?----Ja nach links.------Oder doch eher rechts rum?----Ja,
rechts rum. Das kannste hier endlos spielen. Schwachmaaten. Nach 1,5 Std.
Sightseeing im Moloch, ich war mittlerweile richtig sauer, hielten wir an
einer Tanke an, um eine Strassenkarte zu kaufen. Ueberfluessig zu erwaehnen,
das es sowas hier nicht gibt. Jedoch gab es gluecklicherweise an dieser
Tankstelle einen netten jungen Mann, gekleidet im Real Madrid Trikot, der
dem Charme unserer Fahrerin erlag und sich bereit erklaerte, vor uns her
zu fahren, bis wir auf dem richtigen Weg sind. Ein Leben lang Freibier fuer
diesen Menschen, denn das war die Rettung. Von nun an gab es keine Pannen
mehr und nach einer Odyssee von gut 5 Std. erreichten wir schliesslich Antigua.
Niemals wieder werde ich mir hier ein Auto ausleihen.
Naja, da lag ich nun in meinem Bett, es ging mir ziemlich beschissen und
machte mir so meine Gedanken. Ich stellte alles in Frage, der Smog und der
Laerm in der Stadt nervten mich und ich hatte das Gefuehl, diese Sprache
wohl nie zu lernen. Ich dachte, Temperaturen um 0 Grad, wie in der Heimat
sind auch nicht zu verachten und bestimmt muss ich auch noch zum Arzt wegen
dem Scheiss. Aber vielleicht war das auch einfach nicht meine Woche. Sonnenbrand,
Erkaeltung und Duennpfiff, dazu Lernfrust und ein bisschen Heimweh.
Es kann ja nur besser werden.