autor: casigordo 01.02.04
Ometepe Teil I
Ich habe Sie geliebt,
diese kleine Insel im Lago de Nicaragua, wo die Zeit vor 50 Jahren stehen
geblieben ist, so scheint es jedenfalls. Oft, sehr oft stand ich in San
Jorge am Strand und habe hinuebergeschaut zu den beiden Vulkanen, Cocepcion
und Maderas, verbunden durch einen kleinen Huegel, der Blickfang der Insel.
Ich war schonmal drueben, 3 Wochen ist es her, um den kleineren der beiden
Vulkane, Maderas, zu besteigen. Als ich damals mit dem Bus die beschissenen
Sandpisten entlangfuhr und nach schlappen 1,5 Std. Fahrtzeit die spaerlichen
15 km zurueckgelegt hatte, da reifte der Gedanke in mir, diese Insel nochmal
mit dem Fahrrad zu erkunden. Eines schoenen Tages, es versprach ein herrlicher
Tag zu werden, war es dann endlich soweit. Mit leichtem Gepaeck und grossem
Fruehstueck, das aus einem Kaffee und zwei Scheiben Toast bestand, machte
ich mich gegen 9:30 Uhr auf den Weg zu Faehrableger in San Jorge. Ich hatte
Glueck, denn die Ferry Ometepe, ein solides Boot fuer die 45 minuetige Fahrt,
stand bereits am Ableger. Wie ungern waere ich, wie zuvor, mit der Senora
del Lago fahren, erweckte dieser Kutter doch den Eindruck, selbst in einer
Badewanne kentern zu koennen. Auf der Ferry Ometepe setzte ich mich dann
auch sogleich an Deck in die Sonne, um die Fahrt so richtig zu geniessen.
Es war 10.00 Uhr durch und bereits sehr sehr warm. Leider hatte eine grosse
Gruppe Amerikaner, alle um die 50, an diesem Tag die gleiche Idee, nach
Ometepe zu fahren, und so wurde meine idyllische Bootsfahrt durch lautes
amerikanisches Gegroehle und Gelaechter jaeh gestoert. Egal, meine Laune
war zu gut an diesem Tag, als dass mich das haette aufregen koennen.
Drueben angekommen, ich war erstaunlicherweise immer noch guter Dinge und
frohen Mutes, peilte ich sofort die erstbeste Tienda an, an der es Fahrraeder
zu leihen gab. Ich lieh mir ein Mountain Bike fuer zwei Tage, Preis: 200
Cordoba (ca. 14 Dollar). Um keine weitere Zeit zu verlieren machte ich mich
auch sofort auf den Weg, nachdem ich mir vorher noch schnell eine Karte
der Insel besorgt hatte.
Ich war noch keine zehn Minuten unterwegs, die asphaltierte Strasse aus
Moyogalpa heraus wich dem vorher erwaehnten Sandweg und es zeichnete sich
ab, dass mein Fahrad der Marke "billig und preiswert" nicht das
bequemste ist, da hatte ich bereits keinen Bock mehr. Die Sonne brannte
zu dieser Zeit bereits fuerchterlich, es gab keinen Schatten auf dem Weg,
die Energie, die zwei Scheiben Toast und ein Kaffee im Koerper produzieren,
war restlos aufgebraucht und jedes vorbeifahrende Fahrtzeug, sei es ein
Auto, Motorrad oder Ochsengespann, hinterliess eine Staubwolke, die mir
das letzte bisschen Luft zu Atmen nahm.
Egal, da musste ich nun durch. So quaelte ich mich die ersten 8 km mehr
schlecht als recht dahin, es ging wirklich nur zaeh voran, als ich eine
Bushaltestelle im mitten vom Nichts erblickte. "Schatten", dachte
ich, "Ich will Schatten und Wasser". Hier wollte ich erstmal eine
halbe Stunde verweilen. Ich cremte meinen Koerper ein, auf dem sich bereits
der erste Sonnenbrand ankuendigte und soff einen Liter Wasser fast auf ex.
Ein LKW kam in einem fuer diesen Weg wahnwitzigen Tempo vorbeigerauscht
und zog eine Staubwolke nach sich, wie man sie bei der Sprengung von Hochhaeusern
bewundern kann. Sand und Staub haften sehr gut auf eingecremten Koerpern.
Ich machte mich wieder auf die Socken. Der Weg schien immer schlechter zu
werden, voll von kleinen und grossen Steinen, Furchen und Schlagloechern
in allen Groessen ging es vorbei an kleinen Siedlungen mit Wellblechbaracken,
Schweinen, die mir nur zum Spass vors Rad liefen und Kuhherden, die sich
scheinbar selbst hueteten. Links von mir, immer der grosse, imposante Vulkan
Concepcion, der alles ueberragte. Bei Kilometer 16 ungefaehr, ich war mal
wieder dabei das Rad unter groesster Anstrengung einen Huegel hinaufzuschieben,
kam mir ein Tourist auf einer Harley entgegen. Sein Gesicht sagte mir, dass
er den Ausflug sichtlich genoss. Etwas neidisch sah ich ein, dass ich dringend
neue Energie in Form eines guten Essens benoetigte, das ich kurz darauf
dann auch fand. Ein Schild auf dem Weg zeigte an: Laguna Verde, drei km
rechts ab. Ich folgte dem neuen Weg, der ca. 2 Km nur bergab verlief (wie
geil) und war kurz darauf an einer Bucht mit einem Restaurant und einem
Ausblick, der fuer all die Strapazen bis hierher entschaedigte, naja, fast
allen.