Kurzpaßspiel 2: Die Winterpause

 

14.01.04 alteheide

Wir haben uns erst kürzlich darüber unterhalten, und ich muss meine alte Meinung revidieren: Ich finde es gut, dass es sie gibt. Kann doch nichts schaden, mal ein paar Wochen auf Fußball zu verzichten. Ich bin ein Verfechter des Triebaufschubs, und glaube, dass man sich wirklich wieder mehr auf Fußball freut, wenn man ihn eine Weile hat vermissen müssen. Wenn Menschen fasten, tun sie das ja auch in erster Linie deswegen, weil es danach wieder um so geiler schmeckt. Und dass mir da keiner etwas anderes behauptet!
Dazu würde mich unwahrscheinlich die Meinung des ghostwriters interessieren. Und ab!

 

17.01.04 ghostwriter

Die durch Flex, Hammer und Meisel aufgewirbelte Staubwolke hat sich noch nicht verzogen, da fege ich herbei um den bravourös zugespielten Ball geschickt an mich zu nehmen.
Ja, Winterpause. In diesem Winter finde ich die Pause klasse. Sogar besser als die Winterpause in der vorhergehenden Saison. Obwohl ich diese seiner Zeit geradezu herbeigefiebert hatte. Damals spukte nämlich bereits das Abstiegsgespenst und Winterpause hieß da erst mal abschalten. Gelungen ist mir dies jedoch damals auch nicht wirklich. Über die Unterbrechung in diesem Winter bin ich wie schon erwähnt froh. Endlich kann ich mich auch Samstags meiner derzeitigen Lieblingsbeschäftigung, dem Renovieren, hingeben ohne ständig unter Druck zu stehen. Druck heißt in diesem Fall, das für diesen Tag ausgerufene Arbeitspensum zu erledigen und trotzdem rechtzeitig fertig zu werden, um im hiesigen Sportheim dem Topspiel, bzw. zu 95 Prozent der Konferenz, auf Pre***** (keine Werbung) beizuwohnen. Zumindest zur zweiten Halbzeit. Zur Ersten habe ich es noch nie geschafft. Der ständige nervöse Gang zum Fernseher zwecks Videotext und Zwischenstände in der Regionalliga Nord erübrigt sich ja in dieser Zeit ebenfalls. Richtig entspanntes Arbeiten nenne ich das. Wenn’s auch trotzdem nicht gerade super Spaß macht.
Außerdem wollte ich die Winterpause diesmal dazu nutzen, mal ein paar Wochen wirklich nichts von meinem Verein zu hören, zu lesen oder zu sehen. Den was da die letzten Wochen wieder durch die Medien ging ist nur frustrierend. Bis zum heutigen Tage war mir dies absolut gelungen. Doch heute Nachmittag wurde ich schwach und besuchte die Homepage eines großen Hamburger Boulevard-Blattes und was ich da las ermutigte mich auch nicht gerade. Gibbs weg, Nascimento verletzt und wahrscheinlich auch bald weg und Stani, ja unser Stani... es ist zum Heulen.
Doch Schluß mit dem Gejammer, es ist Winterpause!
Deshalb den Ball schnell wieder abgespielt um zu erfahren, was uns unser zerstoerer dazu zu sagen hat.

 

10.02.04 zerstoerer

…der vor kurzem aus dem Winterschlaf erwacht ist und sich erst jetzt zum Thema äußern kann.
Also, ehrlich gesagt…da mein Lebensinhalt in erster Linie aus Fußball, Heavy Metal und Bier trinken besteht – und ich trinke wirklich seeeehr gerne Bier, liebe Fußball und genieße es, durch meine Wohnung zu headbangen – kann ich mit der Winterpause wenig anfangen.
Was soll das, den Leuten ausgerechnet in der tristesten Zeit des Jahres einen Teil der Grundversorgung zu streichen?
Sommerpause, ja das ist ok. Besonders, wenn die Festivals auf den Bundesligaspielplan ausgerichtet sind und man nacheinander das BYH, WFF, Wacken und das Summerbreeze abklappern kann, ohne ein Spiel zu verpassen. Und es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen – auch, wenn das einigen Herrschaften wieder nicht passen wird – dass ja in der Sommerpause immer das legendäre Sport-Bild Sonderheft zur Fußball Bundesliga erscheint.
Aber die Winterpause? Na gut, zugegeben, die ständige Fahrerei zwischen München und Nürnberg nervt nach acht oder neun Heimspielen mal. Und so kann man die Winterpause, bis auf einen weihnachtlichen Besuch bei den Eltern, mal ohne permanente Zell-Transformation verbringen. Aber das schlägt dann doch schnell in Langeweile um. So ähnlich, wie wenn ein Gewässer durch eine Chemie-Katastrophe schlagartig umkippt.
Auch wenn das jetzt etwas übertrieben klingen mag: In der Winterpause fehlt einfach die Leitlinie meines Lebens, das Grundgerüst im Kalender, an dem man das Unwichtige ausrichten kann. Eine Katastrophe!
Vielleicht sollte man in der Winterpause in eine Sekte oder wenigsten in einen Karnevalsverein oder eine Partei eintreten, um die Zeit zu überbrücken. Oder eine Selbsthilfegruppe gründen, oder so ähnlich. Aber jetzt ist´s ja erst mal wieder vorbei mit dem zwischenzeitlichen Vorbeisein. Ich blühe quasi auf wie ein Blümchen (wenn auch wie ein schwarzes). Aber ich blühe. Juhuuuuu.
Das sollte Dir eigentlich ähnlich gehen alte alteheide, oder liege ich da falsch?

 

17.02.04 maedchen

Da der zerstörer wohl doch noch nicht ganz aus dem Winterschlaf erwacht war, und verschlafenerweise den Ball zum Urheber dieses Kurzpassspiels zurückkickte, grätscht das maedchen mal dazwischen! Eine(r) muss hier ja für Ordnung sorgen!!! ;-)

Also, das mit der Winterpause: Es geht hier ja definitiv um Sucht. Punkt. Was habe ich zum Thema Sucht zu sagen? Da fällt mir nur eins ein: das www.stpauli-forum.de
Dort gibt es den Bereich "Klönschnack / Laberecke", wo es nicht wirklich um Fußball geht. Dort wird nur das Unwichtigste vom Unwichtigen diskustiert und Blödsinn geschwallt. Somit ist diese Rubrik wunderbar passend für einen Menschen wie mich, eine halbwissende Fussballnichtexpertin.

Okay, alles schön und gut, aber warum meinst du, dass du süchtig danach bist, werdet Ihr euch fragen. Wie äußert sich diese www.stpauli-forum.de-Sucht? Hier ist eine kleine Auswahl aus der Liste der symptomatischen Erscheinungen aus meinem unbeabsichtigten Selbstversuch:

- Man verbringt unendlich viel Zeit vor dem Computer
- Man ist telefonisch einfach nicht mehr erreichbar, weil immer besetzt ist
- Man legt sich DSL und eine Flatrate zu
- Man verreist nur noch mit Laptop
- Der erste Kontakt am Morgen zur Außenwelt ist ein Posting "Moin, Scheinwelt! Ich hab Euch vermisst."
- Man antwortet auf die Frage, was man heute abend
macht, mit "Och, ich treff mich mit XY im www.stpauli-forum.de auf ein Bierchen."
- Man spricht mit den wenigen Menschen, zu denen man noch Kontakt hat, nur über das www.stpauli-forum.de, selbst wenn man sie real trifft
- Die Menschen, die man neu kennenlernt, kennt man eigentlich schon seit Monaten aus dem... (na, ihr wisst schon woher)
- Man geht höchst emotionale Bindungen zu Menschen aus dem Forum ein
- Man träumt nachts von Postings, Threaderöffnungen und Quotings
- Die komplette Denkstruktur stellt sich schleichend aber stetig um
[aufzählmodus aus], denn ich könnte hier noch stundenlang weitermachen, aber ich muss gleich wieder... ... ... wohin *grins*

Naja, um wieder zum Thema "Winterpause" zurückzukommen: wenn man
www.stpauli-forum.de-infiziert ist, ist es scheissegal, ob Winterpause ist, oder nicht! Eine bessere Überbrückungsmöglichkeit kann ich mir nicht vorstellen!!!

Und nun gebe ich ab an den libero, der mich auf diesen Pfad der Untugend brachte...

 

18.02.04 libero

*Äugleinwisch*
Die Winterpause schon vorbei? Naja, noch nicht ganz. Während die sogenannten Profivereine bereits wieder dem Leder hinterher jagen, befinden sich die unter Profibedingungen (Anm. d. Verf.: Dieses Substantiv entfaltet in Verbindung mit dem FC St. Pauli eine eigenwillige Komik.) arbeitenden Amateurvereine der Regionalliga noch mitten in der Vorbereitung auf die Rückrunde. Die Mannschaften der Oberliga treten auch schon gegeneinander an.

Das ist der eigentliche Skandal und beklagenswerte Umstand an einer Winterpause. Eine mich selbst überzeugende Erklärung für diese verlängerte Winterpause in der Regionalliga fällt mir nicht ein, dem Triebaufschub hänge ich auch nicht so stark an und begnüge mich somit mit Fußball in der Glotze. Es gibt bessere Freizeitbeschäftigungen, wohl war.

Kurz und gut: Winterpause abschaffen!

 

20.02.04 sestom

Was, ich, jetzt? Fußball, nicht wahr? Diese Jungs, die sich zwei mal im Jahr ewig Ferien gönnen. Sportler nennen die sich also. Die wollen Erholung? Zwei Dinge fallen mir dazu nur ein. Zwei Vergleiche. Also Profi-Kicker: Basketballer sind Sportler. Ja. Die leisten was. Dazu musst Du wissen, dass der NBA-Spieler, also der Profi-Basketballer in Nordamerika, von Oktober bis April ganze 82 Spiele bestreitet. Wenn er gut ist, kommen noch die Endspiele dazu, bis Juni. Und nicht, dass Du jetzt denkst, so ein Basketballspiel ist weniger anstrengend. Also, Bundesliga-Fußballer, eine goldene Nase hast Du dir nach ca. 20 Spielen wohl verdient, aber eine Erholungspause bestimmt nicht. Und jetzt komme mir nicht mit der Kälte. Bloß, weil das sitzende Volk im Stadion Angst vor Hinternerfrierungen hat, machst Du einen Rückzieher in ein Wüstentrainingslager. Ich sag dir mal was. Ich weiß ja nicht, wie Du mit der Schöpfung, also der Natur umgehst. Aber wenn der sogenannte zivilisierte Mensch weiter so lebt, brauchst Du irgendwann eine Sommerpause von April bis September, weil dann keiner mehr aus dem Haus kann. Ohne Hitzeschlag. Was sagt denn der hitzegeplagte Mittelamerikaner dazu. casigordo?

 

25.02.04 casigordo

Hmmmm, ja, da hab ich nun also den Ball und weiss ehrlich gesagt nicht wirklich was damit anzufangen. Das ist nicht immer so, denn normalerweise beherrsche ich die Pille, wie kaum ein anderer.
Also lege ich mir das Ei auf den linken Schlappen, und gleich darauf wieder zurueck auf den Rechten, den starken, nur um Zeit zu schinden, schoen ist das Spiel aber nicht.
Winterpause, nun ja!
Als Fussballfan moechte ich natuerlich am liebsten und gernsten das ganze Jahr mit dieser Ware versorgt werden. Samstag Nachmittag vorm Radio kleben und BuLi hoeren, Guenther Koch mit seinen fantastischen Reportagen, was kann es schoeneres geben?
Andererseits ist im Winter nun einmal Pause und das ist so, seit ich fussballdenken kann. Es ist im Koerper als Bewusstsein gespeichert, wie Sommer, Winter und Oktoberfest. Die Zeit kommt, man weiss es und es ist so. Muessig ist es, darueber nachzudenken. Was waere wenn?
Kein Plan, nie darueber nachgedacht. Ich kann damit leben, wie es ist.
Somit bolze ich die Pille im hohen Bogen quer ueber das Gelaeuf, zugegeben, ein wenig pomadig, und hoffe, das der Philantrop etwas aus der zerfarenen Partie macht.